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Luca Peccuraro - Teil 2

Ein Betreuer fing ihn zum Glück auf und Peccuraro konnte sich wieder in den Wagen begeben. Links von ihm Stand Nemnikov mit einem Stück Kuchen in der Hand, er grinste Peccuraro breit an. Rechts saßen einige Teamkollegen und direkt vor ihm stand jemand, den er seit drei Wochen nicht mehr gesehen hatte. Er umarmte sie und drückte ihr einen langen Kuss auf die Lippen. Der Teamchef durchbrach die traute Zweisamkeit und fragte Peccuraro ob er solch eine Überraschung nach solch einer Leistung überhaupt verdient hatte.

1 ½ Jahre waren sie nun zusammen und es hatte sich selten besser angefühlt als jetzt. Was gibt es besseres als eine innige Umarmung nach einem Höllenritt durch Spanien?

Peccuraro lächelte und machte den Witz mit: "Habe ich heute nicht meine Pflichten erfüllt? Sagtest du nicht vor der Etappe ich solle ins Ziel kommen?"

"Aber doch nicht so, du hast dich doch zum Abschuss der Medien freigegeben."

"Ich mache nur was mein Teamchef sagt."

Enrico Catoni war ein stattlicher Mann, der vor gut 10 Jahren seine Etappe beendet hatte. Er war nie wirklich erfolgreich gewesen, aber hatte langsam aber sicher eine Managerkarriere gemacht, an dessen Ende nun dieses Team stand. Sein Markenzeichen waren seine Hemden, die ein etwas merkwürdiges Muster hatten. Seine Mutter hatte ihm diesen Tick eingeredet und so weit wie Peccuraro wusste konnte da auch niemand gegen anstänkern.

"Dann hat der wohl keine Ahnung", prustete Catoni heraus woraufhin der ganze Wagen für einige Sekunden still hielt.

"Gehört er jetzt mir?" Lavinia Colucci wurde ungeduldig.

"Wenn du ihn mir morgen gegen 8.00 zurückgibst, nimm ihn dir."

Sie zerrte Peccuaro am Ärmel aus dem Wagen und führte ihn in eine enge Gasse ein paar hundert Meter weiter. Den ganzen Weg wechselten die beiden kein Wort miteinander und in Wirklichkeit war Peccuraro auch viel zu müde um sich auf höchstem Niveau zu unterhalten. Nach diesem anstrengenden Tag beschlichen ihn Zweifel, ob er überhaupt Lust auf einen Small-Talk mit anschließendem 0815-Sex mit seiner Freundin hatte.

 

Sie traten in eine kleine Pension ein vor dessen Türe schon ein Betreuer mit seinen Sachen gewartet hatte. Für ein Teamhotel sah das Ding ein wenig klein aus und Peccuraro konnte sich schon vorstellen was ihn erwarten würde. Schlechtes Essen, schlechtes Ambiente, billig wie immer. Was tat hier ein fünfundzwanzigjähriger Radfahrer um sieben Uhr abends mitten im nirgendwo von Italien? Hier oben war es mächtig kalt und er wünschte sich eigentlich nichts mehr, als eine Dusche, eine Decke und einen schnellen, langen Schlaf.

Stattdessen war Wasser in der Badewanne eingelassen, er musste sich eine Decke mit ihr teilen und der Schlaf war eher hart und kurz gewesen. Er konnte noch nie diese Ventilatoren leiden, die sinnlos in einem viel zu kleinen Raum viel zu laut surrten.

Am morgen wurde er durch das Aufziehen der Vorhänge brutal geweckt und schon schrillte ihm ihre sonst so wunderschöne Stimme ins Ohr. "Aufwachen, in einer halben Stunde ist Teambesprechung." ein weiterer Vorbereitungstag für seinen großen Traum vom Podium in Paris.

Er fühlte sich noch immer wie gestern im Rennen, aber die Hoffnung auf seine Oberschenkel wuchs mit Fortlaufen des Morgens. Bei der Teambesprechung passierte das gleiche wie jedes Mal, nur musste Peccuraro erkennen, dass seine sieben verbleibenden Teamkollegen - Urs Weizer war schon auf der dritten Etappe nach Sturz nach St.Gallen gefahren, um seine Regeneration zu Hause zu verschnellern - eine sehr viel luxeriösere Nacht als er verbracht hatten. Die Etappe war topfeben, eine Quaranta-Etappe quasi. Der Plan war klar, Cola musste voll reinhalten und alle hoffen, dass er das Optimum heraus holte. Doch auch diese Etappe sollte ihre Überraschungen bereit halten...

 

von Niki

 

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